Studien zur Homöopathie, oder: traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast

Also, ich habe ja schon mal über die Homöopathie geschrieben, Click!

In diesem Artikel habe ich kurz gesammelt, wie ‚Big Herba‘ (homöopathische Industrie) ihr Geld ausgibt und eine Meinung zu dem Forschungsstand von 2007 von Ernst (2007) zitiert. 2007 ist aber eine Weile her, und ich habe wieder Interesse bekommen, als ich mich auf der wundervollen Seite ‚Pferdekosmos‘ ein bisschen umgelesen hatte, die sehr positiv über die Homöopathie schreibt. Ich habe mir mal diesen Artikel herausgepickt:

http://pferdekosmos.de/mein-lieber-schwede/#more-885

Das ist ja schon interessant!

es berichtet von einem Artikel von R.G. Hahn (2013), der in einer Metanalyse (Übersicht mehrerer Studien) feststellt, dass 90% der Studien nicht berücksichtigt werden und daher zu einem falschen Negativergebnis kommen. Hier kann man eine Übersicht seiner Studie lesen: http://aerzte-summerland.de/aktuelles/meta-analysen-homoeopathie/, denn Hahns eigentlichen Artikel kann man leider nicht (?) über das Internet lesen..

Hahn verweist auf Linde et al. (Lancet 1997) als eine gute Metaanalyse der Homöopathie, die ein Odds Ratio von 2,45 (also 2,45:1 für die Homöopathie) errechnet.

Zu der Studie von Linde et al. gibt es allerdings noch ein paar Sachen zu beachten: ich zitiere einen Artikel von Strubelt – Claussen (Skeptiker 1+2/1999), ein Artikel, der ordentlich seine Quellen angibt:

Eine 1997 in der renommierten Zeitschrift Lancet veröffentlichte Studie über die Ergebnisse von 89 placebokontrollierten klinischen Prüfungen homöopathischer Arzneimittel hat weithin zu der Vorstellung geführt, dass nunmehr ein Wirksamkeitsnachweis für die Homöopathie erbracht und damit die Lehre Hahnemanns belegt sei. Tatsächlich waren die untersuchten Homöopathika aber nur in 40 % statistisch signifikant besser wirksam als Placebo. Bei einer Reanalyse der bewerteten Studien reduzierte sich der Prozentsatz positiver Ergebnisse auf 34. Selbst dieser geringe Prozentsatz positiver Ergebnisse dürfte durch einen Publikationsbias und die meist vor der Bewertung vorgenommene Entblindung noch verfälscht sein. Außerdem wurde bisher keine der Wirksamkeitsprüfungen mit positivem Ausgang von einem anderen Arbeitskreis reproduziert. Die Vorstellung, dass man die Wirksamkeit oder Unwirksamkeit der Homöopathie insgesamt bewerten und belegen könne, wird als irrig verworfen.

Die Authoren monieren, dass

eine Meta-Analyse über die Homöopathie insgesamt (…) genauso aussagelos (ist), als wenn man alle chirurgischen Operationen von der Appendektomie bis zur Herztransplantation metaanalytisch bewerten und hieraus eine Wirksamkeit oder Nichtwirksamkeit chirurgischer Heilverfahren ableiten würde.‘

Doppelte Verblindung (also, dass auch die Ärzte nicht wissen, welche Gruppe die Placebogruppe ist) war nicht Voraussetzung der Studie (also kann der Care-effekt nicht ausgeschlossen werden, was sich statistisch auswirken kann). Reproduzierbarkeit, ein wissenschaftliches Kriterium, ist nicht in den 34% positiven Studien gegeben.

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Ein weiterer Artikel, der die positive Wirkung belegen soll, ist Mathie et al. (2014) – allerdings ist es lustig, dass z.B. der ‚Deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte‘ (https://www.dzvhae.de/homoeopathie-presse/studien-belegen-die-wirksamkeit-der-homoeopathie.html) schreibt, dass seine Studie ‚die Wirksamkeit der Homöopathie‘ belegt, während Mathie selbst (http://www.systematicreviewsjournal.com/content/3/1/142/abstract) zu diesem Schluss kommt:

Medicines prescribed in individualised homeopathy may have small, specific treatment effects. Findings are consistent with sub-group data available in a previous ‘global’ systematic review. The low or unclear overall quality of the evidence prompts caution in interpreting the findings. New high-quality RCT research is necessary to enable more decisive interpretation.

So passiert es ganz leicht, dass aus einem möglichen, kleinen Effekt der Homöopathie der sichere Beweis der Homöopathie entsteht, alles, um eine spannende Überschrift zu schreiben.

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Schließlich hier ein weiterer Artikel des Homeopathy Research Institute, der die Wissenschaftlichkeit einer australischen Studie zur Homöopathie anprangert (https://www.hri-research.org/wp-content/uploads/2014/10/HRI-Response-to-Australian-NHMRC-Report-2014.pdf). Während die Studie tatsächlich auf fälschlichen Annahmen beruht (eine Herangehensweise, die auch von Strubelt – Claussen moniert wird), indem sie Äpfel mit Birnen vergleicht, kritisiert der Artikel des Homeopathy Research Institute auch den Ausschluss von Studien mit weniger als 150 Teilnehmern und auch von anderen Wissenschaftlern unreproduzierte Studien. Statt zu schreiben:

‘There  were  no  health  conditions  for  which  there  was  reliable evidence  that  homeopathy  was  effective.  No  good quality,  well designed  studies  with  enough  participants  for  a  meaningful  result  reported  either  that  homeopathy  caused  greater  health improvements  than  a  substance  with  no  effect  on  the  health condition  (placebo),  or  that  homeopathy  caused  health  improvements equal  to  those  of  another  treatment.
schlagen sie vor:
‘For  the  61  health  conditions  considered,  if  we  consider  only  prospective,  controlled  trials  published  in  English,  and  discount  all  trials  with  less  than  150  participants  (even  if  they  had  positive  statistically  significant  results),  and  if  we  discount  positive  trials  that  have  not  yet  been  repeated  by  other  teams  of  researchers,  and  if  we  then  combine  all  trial  results  for  each  condition,  we  can  say  that  there  was  no  reliable  evidence  demonstrating  that  homeopathy  was  effective‘ (Text von mir hervorgehobe).
Und da ist er wieder, der Bias. Natürlich sind die spezifischen Qualitätsmerkmale (Z.B. Größe der Testgruppe) arbiträr, aber warum würde das Qualitätsmerkmal nur Studien ausschließen, die positiv sind? Das würde ja im Umkehrschluss bedeuten, dass je kleiner und unrepresentativer die Studie, desto positiver die Ergebnisse, und das ist ganz sicher nicht, was sie sagen wollen!!
Das HRI spricht auch den Mythos an, dass so wenig Geld für homöopathische Studien da wäre, aber hier! hab ich mal alles gesammelt über den Profit von Big Herba. Dieses Argument ist ohne Belege vorgebracht und scheint mir wenig aussagekräftig.

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Also, wir stellen fest: Hahn moniert, dass die Statistiken durch Ausschluss von Daten verfälscht sind. Die Studie von Linde et al., die er positiv hervorhebt, hat aber auch einiges an seiner Statistik herumgedoktort, und pocht nicht auf double blind studies und Reproduzierbarkeit der Ergebnisse. Und schließlich kritistiert HRI die Einschlusskriterien des australischen NHMRC, suggeriert aber, dass die Selektion zugunsten aussagekräftiger Studien gleichzeitig eine Selektion zugunsten negativer Studien sei.

Aha! Im Endeffekt wird man warten müssen, bis doch Geld für gute Forschung ausgegeben wird, und es ist schwierig zu sehen, wieso es z.B. für Boiron interessant wäre, wirklich herauszufinden, ob ein Produkt, dass sich gut verkauft, vielleicht doch nicht besser wirkt als Zucker….

Zum Schluss möchte ich aber betonen: ich bin KEINE Naturwissenschaftlerin, und lasse mich gerne auf Fehler in meiner Argumentation hinweisen! Ich habe lediglich versucht, möglichst präzise Informationen zu sammeln, die für den interessierten Laien von Interesse sein könnten, wenn man mal wieder sich entscheiden muss, welche Autorität man sich für seinen Körper/Kind/Haustier aussuchen möchte… 🙂 weil das ist IMMER schwer.

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3 Gedanken zu „Studien zur Homöopathie, oder: traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast

  1. Pingback: In on natural (?) behaviour, und ich habe Quatsch gekauft:( | Hunnenpony

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