In on natural (?) behaviour, und ich habe Quatsch gekauft:(

Liam vögelt wieder und ist im Knast. So weit, so gut… man muss dazu sagen, die Stute geht grade aber auch ab wie Schmitz‘ Katze, wirklich sehr, sehr penetrant…

aber ratet mal, was ich geshoppt habe für ca 16 EUR?? Darf ich noch kurz an hier und hier erinnern?

Metrovetsan, ein homöopatisches Produkt mit Pulsatilla und Sepia officinalis purificata ……

Hier hätten wir eine Dissertation von 1987; hey, herzlichen Glückwunsch zum 30 Jährigen! 😉 https://bib.vetmed.fu-berlin.de/ResourceList/details/205563; dann gäbe es noch eine Diss von 1991; zu welchem Befund die kommen…? KA, da nicht online…

Also warum habe ich es doch gekauft? 1. Unsere TÄ empfiehlt es, und die erweist sich als für die Lunge gut 🙂 2. Regumate ist ein hormoneller Hammer, den ich gerne vermeiden würde; und auch ein Umzug erscheint nicht sonderlich attraktiv 3. es sieht für meine Mitmädels so aus, als ob ich aktiv bin, in der Hoffnung, dass sich die Herde doch noch beruhigt 😛 4. wer weiß? In der Not frisst der Teufel Fliegen 😉

Professioneller Stinkstiefel die ich bin, habe ich aber trotzdem das Bedürfnis zu sagen – 16 EUR für ein Produkt, das sich nicht die Mühe gemacht hat, sein Produkt zu testen ODER nicht das Gefühl hat, es mir beweisen zu müssen?

Studien zur Homöopathie, oder: traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast

Also, ich habe ja schon mal über die Homöopathie geschrieben, Click!

In diesem Artikel habe ich kurz gesammelt, wie ‚Big Herba‘ (homöopathische Industrie) ihr Geld ausgibt und eine Meinung zu dem Forschungsstand von 2007 von Ernst (2007) zitiert. 2007 ist aber eine Weile her, und ich habe wieder Interesse bekommen, als ich mich auf der wundervollen Seite ‚Pferdekosmos‘ ein bisschen umgelesen hatte, die sehr positiv über die Homöopathie schreibt. Ich habe mir mal diesen Artikel herausgepickt:

http://pferdekosmos.de/mein-lieber-schwede/#more-885

Das ist ja schon interessant!

es berichtet von einem Artikel von R.G. Hahn (2013), der in einer Metanalyse (Übersicht mehrerer Studien) feststellt, dass 90% der Studien nicht berücksichtigt werden und daher zu einem falschen Negativergebnis kommen. Hier kann man eine Übersicht seiner Studie lesen: http://aerzte-summerland.de/aktuelles/meta-analysen-homoeopathie/, denn Hahns eigentlichen Artikel kann man leider nicht (?) über das Internet lesen..

Hahn verweist auf Linde et al. (Lancet 1997) als eine gute Metaanalyse der Homöopathie, die ein Odds Ratio von 2,45 (also 2,45:1 für die Homöopathie) errechnet.

Zu der Studie von Linde et al. gibt es allerdings noch ein paar Sachen zu beachten: ich zitiere einen Artikel von Strubelt – Claussen (Skeptiker 1+2/1999), ein Artikel, der ordentlich seine Quellen angibt:

Eine 1997 in der renommierten Zeitschrift Lancet veröffentlichte Studie über die Ergebnisse von 89 placebokontrollierten klinischen Prüfungen homöopathischer Arzneimittel hat weithin zu der Vorstellung geführt, dass nunmehr ein Wirksamkeitsnachweis für die Homöopathie erbracht und damit die Lehre Hahnemanns belegt sei. Tatsächlich waren die untersuchten Homöopathika aber nur in 40 % statistisch signifikant besser wirksam als Placebo. Bei einer Reanalyse der bewerteten Studien reduzierte sich der Prozentsatz positiver Ergebnisse auf 34. Selbst dieser geringe Prozentsatz positiver Ergebnisse dürfte durch einen Publikationsbias und die meist vor der Bewertung vorgenommene Entblindung noch verfälscht sein. Außerdem wurde bisher keine der Wirksamkeitsprüfungen mit positivem Ausgang von einem anderen Arbeitskreis reproduziert. Die Vorstellung, dass man die Wirksamkeit oder Unwirksamkeit der Homöopathie insgesamt bewerten und belegen könne, wird als irrig verworfen.

Die Authoren monieren, dass

eine Meta-Analyse über die Homöopathie insgesamt (…) genauso aussagelos (ist), als wenn man alle chirurgischen Operationen von der Appendektomie bis zur Herztransplantation metaanalytisch bewerten und hieraus eine Wirksamkeit oder Nichtwirksamkeit chirurgischer Heilverfahren ableiten würde.‘

Doppelte Verblindung (also, dass auch die Ärzte nicht wissen, welche Gruppe die Placebogruppe ist) war nicht Voraussetzung der Studie (also kann der Care-effekt nicht ausgeschlossen werden, was sich statistisch auswirken kann). Reproduzierbarkeit, ein wissenschaftliches Kriterium, ist nicht in den 34% positiven Studien gegeben.

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Ein weiterer Artikel, der die positive Wirkung belegen soll, ist Mathie et al. (2014) – allerdings ist es lustig, dass z.B. der ‚Deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte‘ (https://www.dzvhae.de/homoeopathie-presse/studien-belegen-die-wirksamkeit-der-homoeopathie.html) schreibt, dass seine Studie ‚die Wirksamkeit der Homöopathie‘ belegt, während Mathie selbst (http://www.systematicreviewsjournal.com/content/3/1/142/abstract) zu diesem Schluss kommt:

Medicines prescribed in individualised homeopathy may have small, specific treatment effects. Findings are consistent with sub-group data available in a previous ‘global’ systematic review. The low or unclear overall quality of the evidence prompts caution in interpreting the findings. New high-quality RCT research is necessary to enable more decisive interpretation.

So passiert es ganz leicht, dass aus einem möglichen, kleinen Effekt der Homöopathie der sichere Beweis der Homöopathie entsteht, alles, um eine spannende Überschrift zu schreiben.

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Schließlich hier ein weiterer Artikel des Homeopathy Research Institute, der die Wissenschaftlichkeit einer australischen Studie zur Homöopathie anprangert (https://www.hri-research.org/wp-content/uploads/2014/10/HRI-Response-to-Australian-NHMRC-Report-2014.pdf). Während die Studie tatsächlich auf fälschlichen Annahmen beruht (eine Herangehensweise, die auch von Strubelt – Claussen moniert wird), indem sie Äpfel mit Birnen vergleicht, kritisiert der Artikel des Homeopathy Research Institute auch den Ausschluss von Studien mit weniger als 150 Teilnehmern und auch von anderen Wissenschaftlern unreproduzierte Studien. Statt zu schreiben:

‘There  were  no  health  conditions  for  which  there  was  reliable evidence  that  homeopathy  was  effective.  No  good quality,  well designed  studies  with  enough  participants  for  a  meaningful  result  reported  either  that  homeopathy  caused  greater  health improvements  than  a  substance  with  no  effect  on  the  health condition  (placebo),  or  that  homeopathy  caused  health  improvements equal  to  those  of  another  treatment.
schlagen sie vor:
‘For  the  61  health  conditions  considered,  if  we  consider  only  prospective,  controlled  trials  published  in  English,  and  discount  all  trials  with  less  than  150  participants  (even  if  they  had  positive  statistically  significant  results),  and  if  we  discount  positive  trials  that  have  not  yet  been  repeated  by  other  teams  of  researchers,  and  if  we  then  combine  all  trial  results  for  each  condition,  we  can  say  that  there  was  no  reliable  evidence  demonstrating  that  homeopathy  was  effective‘ (Text von mir hervorgehobe).
Und da ist er wieder, der Bias. Natürlich sind die spezifischen Qualitätsmerkmale (Z.B. Größe der Testgruppe) arbiträr, aber warum würde das Qualitätsmerkmal nur Studien ausschließen, die positiv sind? Das würde ja im Umkehrschluss bedeuten, dass je kleiner und unrepresentativer die Studie, desto positiver die Ergebnisse, und das ist ganz sicher nicht, was sie sagen wollen!!
Das HRI spricht auch den Mythos an, dass so wenig Geld für homöopathische Studien da wäre, aber hier! hab ich mal alles gesammelt über den Profit von Big Herba. Dieses Argument ist ohne Belege vorgebracht und scheint mir wenig aussagekräftig.

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Also, wir stellen fest: Hahn moniert, dass die Statistiken durch Ausschluss von Daten verfälscht sind. Die Studie von Linde et al., die er positiv hervorhebt, hat aber auch einiges an seiner Statistik herumgedoktort, und pocht nicht auf double blind studies und Reproduzierbarkeit der Ergebnisse. Und schließlich kritistiert HRI die Einschlusskriterien des australischen NHMRC, suggeriert aber, dass die Selektion zugunsten aussagekräftiger Studien gleichzeitig eine Selektion zugunsten negativer Studien sei.

Aha! Im Endeffekt wird man warten müssen, bis doch Geld für gute Forschung ausgegeben wird, und es ist schwierig zu sehen, wieso es z.B. für Boiron interessant wäre, wirklich herauszufinden, ob ein Produkt, dass sich gut verkauft, vielleicht doch nicht besser wirkt als Zucker….

Zum Schluss möchte ich aber betonen: ich bin KEINE Naturwissenschaftlerin, und lasse mich gerne auf Fehler in meiner Argumentation hinweisen! Ich habe lediglich versucht, möglichst präzise Informationen zu sammeln, die für den interessierten Laien von Interesse sein könnten, wenn man mal wieder sich entscheiden muss, welche Autorität man sich für seinen Körper/Kind/Haustier aussuchen möchte… 🙂 weil das ist IMMER schwer.

Profit der homöopathischen Pharmakaindustrie?

Ich habe mich heute mit einer guten Freundin, die auch glühende Verfechterin der Homöopathie ist, unterhalten über – Homöopathie. Ich habe ein bisschen Ärger bekommen, weil ich Homöopathie mit 1) Religion, und 2) der Verwendung von schwarzen Hahnengehirn bei den Römern gegen Tollwut verglichen habe.

Der Römer sagt, nachdem sein Kind doch nicht an der Tollwut starb, nachdem es das Gehirn eines schwarzen Hahnes aß: ‚Aber es wirkt!‘ (‚Sed effecit!!‘:)) ‚Wer heilt, hat Recht!‘ (‚medens rectus est!!:))

Entschuldige, ich konnte nicht widerstehen, ein ganz klein wenig zu sticheln – es ist kein Beleg, dass, weil Behandlung A nicht wissenschaftlich ist, Behandlung B (also Homöopathie) auch unwissenschaftlich ist, nur weil dieselben Argumente für beide Positionen vorgebracht werden. Nebenbei bemerkt waren die Römer nicht dümmer als wir. Es ist schwierig, komplexe Vorgänge anhand von wenigen Fällen zu erfassen, und in der Not tut man einiges. Außerdem bin ich sicher, dass in 200 Jahren heutige medizinische Praktiken auch widerlegt oder völlig überholt sein werden.

STUDIEN belegen, dass Homöopathie unwissenschaftlich ist. (zur Sachlage z.B. Ernst (2007) ‚Commentary. The Truth about Homeopathy‘, British Journal of Clinical Pharmacology 1–2, unter http://www.dcscience.net/ernst-bjcp-07.pdf).

Eine Sache hat mich aber interessiert, und zwar das Argument, dass die Homöopathie gar kein Geld für wissenschaftlich signifikante Studien hat. Aha! Und Google hat einige SEHR interessante Sachen ausgespuckt, obwohl der englischsprachliche Raum weitaus mehr Info zu der Frage hat:

Erik Davis für Sceptic North, 2011: http://www.skepticnorth.com/2011/02/bankers-buyouts-billionaires-why-big-herba%E2%80%99s-research-deficit-isn%E2%80%99t-about-the-money/. Zu der französischen Firma Boiron:

‚French giant Boiron (EPA:BOI) is by far the largest distributor of natural health products in Canada – they’re responsible for nearly 4000 (15%) of the 26,000 products approved by Health Canada’s Natural Health Products Directorate. They’re also one of largest natural health products companies globally, with 2010 revenues of €520M ($700M CAD) – a size achieved not just through the success of killer products like Oscillococcinum, but also through acquisitions. In recent years, the company has acquired both its main French rival Dolisos (giving them 90% of the French homeopathy market) and the largest homeopathy company in Belgium, Unda.

So this is a big company that’s prepared to spend money to get even bigger. What about spending some of that money on research?  Well ostensibly it’s a priority: “Since 2005, we have devoted a growing level of resources to develop research,” they proclaim in the opening pages of their latest annual report, citing 70 in-progress research projects. Yet the numbers tell a different story – €4.2M in R&D expenditures in 2009, just 0.8% of revenues.

The result: while pharma typically spends upwards of 15-20% of revenues on research, Big Herba contributes less than a tenth of that.

To the question of why, I’d like to propose simply that they don’t need to.  The products are clearly selling well already, and without the regulatory approvals pharmaceuticals require, spending money on research presents more risk than reward.  After all, if you don’t conduct research, you can’t find out that your product doesn’t work.

In other words, Big Herba is behaving exactly as Big Pharma might if it had no government oversight.  And if that doesn’t give you reason for pause before you pop that next Ginko tablet, I don’t know what will.‘

Schließlich ein kleines Schmankerl zu dem Wissenschaftler an der Spitze von Boiron, Belon, dessen Studien problematisch sind oder fehlerhaft zu sein scheinen: http://www.dcscience.net/2007/09/18/another-nail-in-the-coffin-of-homeopathy/.

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Ich bin kein Naturwissenschaftler, und die Artikel sind nicht in allen Fällen peer-reviewed, und daher ‚to be enjoyed with a pinch of salt‘:), aber sie zeigen meiner Meinung nach sehr, sehr interessante Zahlen!!